Steinebach lässt historische Waldweide aufleben: seltenes Naturschutzprojekt mit Vorbildcharakter | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Wie wertvoll ehrenamtliches Engagement für den Natur- und Artenschutz sein kann, zeigt eine außergewöhnliche Initiative in Steinebach.

Steinebach lässt historische Waldweide aufleben: seltenes Naturschutzprojekt mit Vorbildcharakter

Anlässlich des Welttags des Naturschutzes am 28. Juli besuchte Marco Dörner, Erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde Hachenburg, die Waldweide am „Hundsbaum“ in Steinebach. Bei einem Rundgang über das Gelände informierte er sich über die Entwicklung der ehemaligen Huteweide sowie die ökologischen Ziele und Besonderheiten des Vorhabens.

Dabei wurde deutlich, dass sich hinter der heutigen Waldweide eine jahrhundertealte Kulturlandschaft verbirgt. Was auf den ersten Blick wie ein gewöhnliches Waldstück wirkt, war über Generationen hinweg eine sogenannte Huteweide – eine halboffene Landschaft, in der Weidetiere und Natur ein ausgewogenes Miteinander bildeten. Erst mit dem Wandel der Landwirtschaft Anfang der 1960er Jahre verschwand diese traditionelle Form der Bewirtschaftung nahezu vollständig. Die Flächen verbuschten, lichtliebende Pflanzen verschwanden und mit ihnen zahlreiche Tierarten, die auf solche Lebensräume angewiesen sind.

Dass dieser Landschaftsraum heute wieder eine Zukunft hat, ist dem Engagement zahlreicher Beteiligter zu verdanken. Den entscheidenden Impuls gab der Steinbacher Bernd Uptmoor, der seine langjährige Erfahrung aus seiner Tätigkeit bei der Naturschutzbehörde einbrachte. Gemeinsam mit der Ortsgemeinde Steinebach, allen voran Ortsbürgermeister Jürgen Hebel, der Oberen Naturschutzbehörde und Biotopbetreuer Markus Kunz sowie dem Forstamt Hachenburg entstand daraus ein langfristig angelegtes Naturschutzvorhaben.

Eine Schlüsselrolle übernehmen dabei auch landwirtschaftliche Partner. Nadine Ladewig, weitere Beigeordnete der Ortsgemeinde, stellt mit ihrem Hofgut Salzberg in Steinebach Zeburinder für die Beweidung der Flächen zur Verfügung. Ergänzt wird die naturnahe Pflege durch die Schafe und Ziegen der Schäferei Burbach aus Kadenbach. Durch ihr Fressverhalten unterdrücken die Tiere den Aufwuchs von Gehölzen, schaffen offene Bodenstellen und fördern damit Strukturen, die für eine außergewöhnlich hohe Artenvielfalt erforderlich sind. Die teils jahrhundertealten Eichen erhalten wieder Licht und Platz zur Entwicklung, zahlreiche Insektenarten finden ideale Bedingungen, Höhlenbäume entstehen, seltene Pflanzen können sich erneut ausbreiten und viele Vogel- sowie Fledermausarten profitieren von diesem abwechslungsreichen Biotop.

Ein solcher Prozess brauche Zeit, wie die Beteiligten während des Rundgangs erläuterten. Die Rückkehr der ehemaligen Huteweide sei als langfristige Aufgabe angelegt, bei der sich die Natur in ihrem eigenen Tempo entfalten könne. Erste positive Entwicklungen seien jedoch bereits deutlich sichtbar und machten deutlich, welches Potenzial in dieser traditionellen Form der Landschaftspflege stecke und welchen Beitrag sie für den Erhalt der biologischen Vielfalt leiste.

Marco Dörner zeigte sich beeindruckt und würdigte insbesondere das große Engagement aller Beteiligten:
„Am Hundsbaum wird deutlich, wie viel entstehen kann, wenn Menschen Verantwortung übernehmen und ihre Ideen mit Fachwissen, Ausdauer und Herzblut verfolgen. Bernd Uptmoor hat den entscheidenden Anstoß gegeben, die Ortsgemeinde hat den Weg konsequent mitgetragen, Fachbehörden und Forst haben ihre Expertise eingebracht und die landwirtschaftlichen Betriebe leisten mit ihren Tieren einen unverzichtbaren Beitrag. Hinzu kommt der Einsatz zahlreicher Ehrenamtlicher. Dieses Miteinander verdient höchste Anerkennung.“

Auch Ortsbürgermeister Jürgen Hebel blickt mit großer Freude auf die Entwicklung des Vorhabens. Mit der Wiederherstellung der Waldweide in Steinebach werde dem schleichenden Verschwinden dieser historisch gewachsenen Kulturlandschaft im Westerwald und weit darüber hinaus aktiv entgegengewirkt. Gleichzeitig lädt das Areal dazu ein, die Veränderungen vor Ort mitzuerleben. Über den durch das Gelände führenden Wirtschaftsweg können Besucherinnen und Besucher die Entwicklung der Waldweide aus nächster Nähe beobachten. Dadurch eignet sich das Gebiet gleichermaßen für naturinteressierte Gäste wie auch für Bildungsangebote und Exkursionen.

Kontakt: Ortbürgermeister Jürgen Hebel
Telefon: 0172 / 65 97 97 8
E-Mail: ortsgemeinde.steinebach@rz-online.de